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Auslandsmitarbeiter:

Sorge wegen Sorgerecht?

(04.12.2002)

Der Fall:

Der angehende Auslandsmanager in Singapur ist seit drei Jahren geschieden. Sein siebenjähriger Sohn lebt bei der Ex-Frau, es besteht jedoch gemeinsames Sorgerecht. Da es in letzter Zeit zwischen den Eltern häufiger Streit um Erziehungsfragen gegeben hat, möchte die Frau das alleinige Sorgerecht. Sie behauptet, wenn der Vater in Singapur lebe, könne er seinen Umgangspflichten nicht nachkommen, weshalb sie nun beantragen werde, ihr das alleinige Sorgerecht zuzusprechen.  

Zur Rechtslage:

Zu unterscheiden sind das Sorgerecht (§§ 1666 ff, BGB), das Umgangsrecht / die Umgangspflicht (§1684 BGB) und das Auskunftsrecht (§1686 BGB).

In § 1684 heißt es: "Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt."

Es gibt also nicht nur ein Recht des Vaters auf Umgang mit seinem bei der Geschiedenen lebenden Kindes, das dann ggf. in entsprechenden Umgangsregelungen festgeschrieben wird, sondern auch ein Recht des Kindes auf Umgang mit dem Vater.  

Das Sorgerecht kann zwar gerichtlich (auf Antrag auf Zuweisung der Alleinsorge des anderen Elternteils) entzogen werden, aber dafür müssen schwerwiegende Gründe vorgebracht werden, wie Kindeswohlgefährdung etc. Unter die schwerwiegenden Gründe fällt auch mangelnde Erreichbarkeit. Der Sorgeberechtigte muss nicht jederzeit erreichbar sein, aber doch zeitnah, damit Entscheidungen in Fragen die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind, nicht unangemessen lange auf sich warten lassen.

Zeitnahe 'Erreichbarkeit' lässt sich auch in Singapur sicherstellen. Doch kann ein Vater in Singapur seinem Siebenjährigen gegenüber seiner Umgangspflicht nachkommen?

Im Prinzip ja: Familiengerichte halten es nicht für notwendig, dass sich Eltern und Kinder vierzehntägig oder monatlich sehen. Telefonische Kontakte oder je nach Alter der Kinder Fax, E-Mail, 'Netmeeting' etc. können die Zeit bis zum nächsten Besuch überbrücken helfen.

Wenn allerdings die 'Umgangsregeln' gerichtlich festgelegt wurden und der andere Elternteil auf Einhaltung besteht, bedarf es der Anpassung der gerichtlichen Festlegungen an die veränderten Gegebenheiten unter Beachtung der berechtigten Wünsche der Beteiligten. Um dies zu erreichen, muss ein Antrag auf kurzfristige Neuregelung der Umgangsregeln beim Familiengericht gestellt werden. Letztlich müsste dann der Familienrichter im Rahmen des wohlverstandenen Interesses des Kindes die Zumutbarkeit von an den Auslandsaufenthalt angepassten Umgangsregelungen bewerten. Da auch in eiligen Fällen der andere Elternteil um Stellungnahme gebeten wird und zunächst eine gütliche Einigung herbeigeführt werden soll, kann die Zeit vor einer Ausreise für die gerichtliche Neuregelung sehr knapp werden.

Geschiedenen Ausreisenden, bei denen ein gemeinsames Sorgerecht für Kinder besteht, sollten also frühzeitig mit ihrem Ex-Partner und – wenn sich eine gütliche Einigung nicht erzielen lässt – dem Jugendamt und / oder dem zuständigen Familiengericht Kontakt aufnehmen, damit deutlich wird, dass sich der ausreisende Elternteil ernsthaft darum bemüht, seiner Umgangpflicht auch nach dem Umzug nachzukommen. w

 Wir danken dem Jugendamt Bonn für diese Rechtsauskunft.


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Stand: 28. Juni 2010