Das Expat - Storyboard:

Reinhold und Beate:

Eindrcke aus Qingdao / China (1)

05.02.2003

 

Das Weihnachtskonzert

 Zum Adventsbeginn erreichte uns etwa drei Tage vorher die Nachricht, dass in der "Halle des Volkes" Hndels Messias aufgefhrt wrde. Die Informationen kommen leider oft sehr spt, da wir ja die Zeitungen nicht lesen knnen und immer auf wohlwollende und dann auch noch englisch sprechende Chinesen angewiesen sind. Wir haben jedenfalls eine E-Mail Kette gebildet, durch die dann ganz schnell die Informationen weitergegeben wurden. Wir bekamen Karten und fanden uns mit 10 Personen, alles s.g. "Langnasen" in der Halle wieder. Und wieder war Alles ganz anders! Das Ereignis war ein besonderes, da das erste Mal seit Jahrzehnten ein geistliches Konzert aufgefhrt werden durfte. Die Halle war bis auf den letzten Platz gefllt, Mntel und Jacken musste man anlassen, da es keine Heizung gab. In solchen Momenten berlegt man sich doch, auf die wunderbare chinesische Unterwsche umzusteigen, die berall angeboten, offenbar von allen getragen wird, die von ihrem Charme her aber eher den olivgrnen Beinkleidern nahe kommt, die mein Mann in seiner Bundeswehrzeit besa.
Die Auff
hrenden waren ein Pekinger Orchester und ein Chor mit wirklich guten Stimmen, die leider etwas "kndelten" (ChorsngerInnen wissen, was ich meine). Es gab auch einige Schwierigkeiten mit den Tempi, besonders die Geigen hatten das Ziel, als erste fertig zu sein. Um uns herum saen frhliche, teilweise schwatzende, essende und trinkende Menschen, immer mal wieder klingelte ein Handy. Manchmal lief jemand schnell hinaus, um dann ebenso schnell wieder da zu sein. Beim Halleluja standen alle auf, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Als dieses Stck dann als Zugabe wiederholt wurde, waren wir von strahlenden, rhythmisch klatschenden Menschen umgeben! Es war wirklich irre und nur mit einer ordentlichen Portion Humor und dem Abschied von all unseren westlichen Vorstellungen zu ertragen. Ein Erlebnis, das ich nicht missen mchte, war es jedenfalls trotzdem.

 

 Auf dem Markt

Ein anderes war der Besuch des Lunar-Markets, das ist ein riesiger Markt, der nach dem chinesischen Mondkalender alle 5 Tage stattfindet und der bestimmt die Flche einer greren Ortschaft einnimmt. Dort wird Obst, Gemse, Getreide (direkt gemahlen) Erdnsse (direkt dort gerstet), Trdel, Kleidung, Unmengen Meeresgetier und Fleisch angeboten. Junge Katzen werden gleich zu 10  Stck in eine Plastiktte gesteckt, junge Hunde gehen einem ungewissen Schicksal entgegen. An einem kleinen Tischchen sa ein "Zahnarzt", Bohrer und Zange lagen griffbereit, es gab eindeutig Menschen, die seine Dienste in Anspruch nahmen. Es soll auch s.g. Barfurzte geben, die kleinere Operationen gleich vor Ort durchfhren, angesichts des Drecks drum herum eine wahnsinnige Vorstellung. Man kann sich auch die Ohren subern lassen, wer von den Beiden das gleich mit durchfhrt, wei ich nicht ! An solchen Orten kann man dann auch erleben, was Chinareisende meinen, wenn sie von unvorstellbarem Dreck reden. Der Fluss, der durch dieses ganze Gelnde fhrt, ist eine einzige Kloake, unvorstellbar, wenn man es nicht gesehen hat. Nach solchen Ereignissen wird man fast schlagartig von einem Duschzwang befallen, das Eintauchen in unsere Welt erscheint dann fast berlebensnotwendig.

 Wir sind in der Umgebung des Marktes auch durch die kleinen Gsschen der "Hutongs" gelaufen. Das sind wirklich kleine Steinhtten, die oft nicht einmal ber Wasser verfgen, keine Heizung haben! Kinder, die in einer solchen Umgebung aufwachsen, drften nur geringe Chancen haben.

 

Schule 

In der Auslndergemeinde gibt es diesbezglich einige gute Aktivitten. Wir haben eine Grundschule mit 140 Kindern auf dem Land besucht. Auch deren Klassenrume waren nicht beheizt ( bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und eisigem Wind), weil zwar ganz einfache Kohlefen, aber kein Geld fr die Kohle vorhanden war. Die Kinder sammelten in den Pausen Holz, welches natrlich nicht ausreichte. Aus unterschiedlichen Veranstaltungen stammten dann die 2000 Yuan (etwa 250 Euro) die wir brachten und von denen jetzt fr den ganzen Winter Kohle gekauft werden kann. Es werden auch viele Schler und Studenten untersttzt. Eine wirklich groe Hilfe fr eine 4- kpfige Familie sind schon mtl. 100 Yuan (15 Euro), damit knnen die Lebensmittel sichergestellt werden.

Auf Vorschlag des Schulleiters soll im nchsten Frhjahr ein Ausflug nach Qingdao untersttzt werden. Er berichtete, dass die Kinder sehr hart lernen, dass sie aber auch so etwas wie eine Vision brauchen, damit sie wissen, wofr sie lernen. Also werden wir wohl alle gemeinsam ans Meer fahren, ins Delphinarium gehen und ein Picknick veranstalten.

 

Fr heute werde ich meinen Bericht beenden und mich langsam auf den Abend vorbereiten. Hier wir es schon um 17.00 Uhr fast schlagartig dunkel, die Autos, besonders die Taxifahrer fahren solange es geht ohne Licht, weil sie glauben, dass ansonsten die Batterie schneller defekt ist. Bei den Taxifahrern, deren Fahrweise, berhaupt dem, was man hier als Verkehrsregeln vergeblich sucht, wrde dann wieder ein neues langes Kapitel beginnen, das erzhl ich Euch dann beim nchsten mal !

 

Seid ganz herzlich gegrt

Reinhold und Beate


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Stand: 25. Februar 2015