Das Expat - Storyboard:

Reinhold und Beate:

Eindrcke aus Qingdao / China (2)

15.04.2003

 

Im Krankenhaus

 Nachdem ich heute Morgen festgestellt habe, dass ich kaum in der Lage bin, die letzten Wochen mental geordnet nachzuvollziehen, werde ich`s jetzt einfach versuchen, niederzuschreiben und Euch Alle, ob Ihr wollt oder nicht, an meinen Erlebnissen und Gedanken teilnehmen lassen. Nahezu vier Wochen bin ich jetzt hier, mein fester Punkt ist immer wieder unser schnes Appartment und das Crowne Plaza, wo wir mittlerweile in allen Bereichen gut bekannt sind. Gleich in der zweiten Woche ereilte mich ein Missgeschick, was wohl vielen passiert, die mit dem deutschen Sicherheitsdenken nach Asien gehen. Nicht umsonst ist ein hufig gehrter Rat " Be carefull! ". In der Mitte eines wirklich langen Flurs, fr mich berhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet dort, befand sich eine Stufe. In Deutschland wre mindestens ein Warnlicht und ein Handlauf an der Wand vorgesehen. Ich hab mir also den Fu ordentlich verknackst, da alles im Fitnessbereich des Hotels passierte, war ich umgehend von einer rztin des Hotels, mehreren Managern, den Angestellten des Fitnessbereichs umgeben und alle kmmerten sich wirklich nett und ohne dass ich mich wehren konnte. Es folgten zwei Tage auf dem Sofa, ich bekam mehrfach Besuch von unterschiedlichen Servicebereichen des Hotels, alle brachten Blumen und Obst mit. Am 3.Tag hielt dann die rztin eine Rntgenaufnahme fr erforderlich, der Fu war letztlich nur verstaucht, das Krankenhaus  ein Erlebnis : Vergessen kann man alles, was wir in der Regel von einem Arztbesuch erwarten . Diskretion, Privatheit, nichts von alledem. In einem Raum sitzen zwei rzte, die gleichzeitig Patienten behandeln, es kommen immer wieder neue herein, die Meisten sind ausgesprochen interessiert am Ergehen der brigen und gleich drei Personen standen direkt hinter mir und beobachteten, wie der Arzt meinen Fu ansah. Neben mir wurde ein Mann versorgt, der offenbar gerade zwei Finger verloren hatte und gleich von vier seiner Arbeitskollegen gesttzt wurde, ein anderer war auf einer Baustelle in ein Loch gefallen und lie sich gleich mit drei Kollegen auf einer Liege nieder... Trotzdem, letztendlich wurden wir alle gut versorgt, ich hatte allerdings die ganze Zeit das Gefhl, mich in einem Film zu befinden. Mittlerweile ist der Fu  so gut wie in Ordnung, ich denke, ich kann meine Besuche des Fitnessbereichs bald fortsetzen.

Im Massagesalon

In Qingdao leben etwa 500 Auslnder, davon kommen etwa 300 aus Japan und Korea, der Rest ist eine bunte Mischung verschiedener Nationalitten. Etwa 15 Deutsche gibt es, die stndig hier leben, daneben immer wieder eine grere Gruppe Studenten aus Rosenheim und Paderborn, die fr 1/2 Jahr hier sind. Jeden Mittwoch ist Ladies Lunch in unterschiedlichen Restaurants, dort habe ich mich zu einem Mahjong Spiel verabredet. Gisela, eine deutsche Frau aus Bad Homburg, eine Neuseelnderin, eine Finnin, eine Italienerin und zwei Amerikanerinnen sind mit von der Partie. Es war sehr angenehm und so kam zum Ladies Lunch mein zweiter fester Termin in der Woche. Ein absolutes Muss brigens fr  Alle, die uns hier besuchen werden, drfte der gemeinsame Besuch eines Massagesalons sein. Wirklich!

Wir sind am Samstag  mit einem anderen Ehepaar zu einer Fu- und Krpermassage gegangen, drei Stunden Zeit braucht man, aber die hat man hier. Man setzt sich fr die Fumassage in bequeme Sessel, nach einem Fubad werden die Ngel mittels eines scharfen Messers geschnitten und dann geht es los. Es wird gepresst, gewalkt, gestrichen, geklopft, jeder noch so kleine Muskel, jede Sehne wird auf unterschiedlichste Art bearbeitet, manchmal ausgesprochen angenehm, manchmal bis hart an die Schmerzgrenze. Danach zieht man so etwas wie Baumwollschlafanzge an und das ganze geht weiter mit dem brigen Krper. Zum Schluss knien sie auf dem Rcken und ziehen einen nochmal an Armen und Beinen in unterschiedliche Richtungen. Das alles soll ausgesprochen gesund sein, einen Tag spter hatte ich richtigen Muskelkater, der soll aber mit jedem weiteren Mal weniger werden. Massage und Akupressur machen brigens auch die Friseure, die Kosmetikerinnen und auch bei der Manikre wir der ganze Arm behandelt.

 Im Restaurant

Immer noch ein Erlebnis sind die vielen Restaurants. Sehr genossen habe ich ein s.g. Hot-Pot Menu. In der Mitte des Tisches ist ein groer, noch einmal untergeteilter  Topf eingelassen, beides ist mit Brhe gefllt, eine Seite sehr scharf, die andere etwas milder. Immer wird auch Gesundes bedacht, z.B. kocht eine ganze Ginsengwurzel mit! Wie beim Fondue werden Gemse, Pilze, Fleisch, Fisch, Skartoffeln, Nudeln hinein gegeben und natrlich gegessen. Fr mich noch ungewohnt sind die Shrimps, die ebenfalls in einer Schssel zum Kochen gereicht werden. Ungewohnt einfach, weil sie springlebendig sind, frischer geht`s wirklich nicht. Ich konnte sie beim ersten Mal nicht essen, werd`s aber irgendwann versuchen. Gut ist auch die sdchinesische Kche, sie ist sehr wrzig und scharf, eigentlich ist das Essen berhaupt nicht mit dem in deutschen Chinarestaurants zu vergleichen. Hier ist es einfach besser. Ganz nobel geht es zu, wenn wir offiziell zusammen eingeladen sind. Bei einer Einladung des Brgermeisters gab es bestimmt 15 Gnge, auf goldenen Tellerchen, von wunderschnen Mdchen serviert. Alle sitzen rund um den Tisch, auffallend sind die Gerusche, wann hat man schon einmal bei einem so noblen Anlass so deutliches Schmatzen, diverse Rlpser und noch einiges dazu gehrt !? Ihr knnt mir glauben, dass mir hier zumindest der Appetit trotzdem nicht vergeht ! Stndig steht dann jemand  auf und sagt einige Worte, um mit einem Ganbei abzuschlieen, was immer eine Aufforderung ist, das Glas vollstndig zu leeren. Frauen knnen sich da noch schwach zeigen, Mnner mssen sich wohl darauf einlassen. Reinhold trinkt immer Bier, da er Wein ebenso austrinken msste. Zum Abschluss des Essens gibt es ein Schlchen Reis, dann , nach etwa 2 1/2 Stunden, wird das Essen pltzlich beendet, man verabschiedet sich und wenn man nicht noch gemeinsam zum Karaoke geht, war`s das dann.

Beim Shopping

Viel Zeit verbringe ich in Geschften. Die schnsten sind die Antiquittenlden, dort knnte ich soo viel kaufen! Selbst wenn sie nicht so alt wie beschrieben sind, sind sie fr uns gnstig zu erstehen. In dieser Woche werde ich mit Gisela (s.o.) Sachen kaufen, die sie Weihnachten mit nach Deutschland nimmt und die dort dann auf einem Weihnachtsbasar verkauft werden. Der Gewinn kommt dem Social Commitee zugute. Das lohnt sich einfach, weil man  mit gutem Gewinn verkaufen kann. Frustrierend sind Bekleidungslden, eigentlich gibt es europische Gren nur in den Originalshops von Dior, Gucci, Boss o.a. Leider verlangen diese absolut europische Preise, so dass ich mich eher an eine der vielen Schneidereien halten werde, nchste Woche wird mir eine Chinesin eine besonders gute zeigen. Sehr schn ist auch der Bargain Market. Dort kann man handeln und muss letztlich etwa 1/3 des geforderten Preises bezahlen.  Man findet wunderschne Perlen von guter Qualitt, die Besten kosten umgerechnet ca. 80 Euro, man bekommt auch sehr gute fr 10 Euro. Daneben gibt es ausgezeichnete Kopien oder vielleicht doch Originale von Taschen, Koffern, Kleidung, Uhren; wenn man den Trubel aushlt kann man dort sehr viel Zeit verbringen.

 

Eure Beate


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Stand: 25. Februar 2015