| Das Expat - Storyboard: Reinhold und Beate: Eindrücke aus Qingdao / China (2)
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Im Krankenhaus Nachdem ich heute Morgen festgestellt habe, dass ich kaum in der Lage bin, die letzten Wochen mental geordnet nachzuvollziehen, werde ich`s jetzt einfach versuchen, niederzuschreiben und Euch Alle, ob Ihr wollt oder nicht, an meinen Erlebnissen und Gedanken teilnehmen lassen. Nahezu vier Wochen bin ich jetzt hier, mein fester Punkt ist immer wieder unser schönes Appartment und das Crowne Plaza, wo wir mittlerweile in allen Bereichen gut bekannt sind. Gleich in der zweiten Woche ereilte mich ein Missgeschick, was wohl vielen passiert, die mit dem deutschen Sicherheitsdenken nach Asien gehen. Nicht umsonst ist ein häufig gehörter Rat " Be carefull! ". In der Mitte eines wirklich langen Flurs, für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet dort, befand sich eine Stufe. In Deutschland wäre mindestens ein Warnlicht und ein Handlauf an der Wand vorgesehen. Ich hab mir also den Fuß ordentlich verknackst, da alles im Fitnessbereich des Hotels passierte, war ich umgehend von einer Ärztin des Hotels, mehreren Managern, den Angestellten des Fitnessbereichs umgeben und alle kümmerten sich wirklich nett und ohne dass ich mich wehren konnte. Es folgten zwei Tage auf dem Sofa, ich bekam mehrfach Besuch von unterschiedlichen Servicebereichen des Hotels, alle brachten Blumen und Obst mit. Am 3.Tag hielt dann die Ärztin eine Röntgenaufnahme für erforderlich, der Fuß war letztlich nur verstaucht, das Krankenhaus ein Erlebnis : Vergessen kann man alles, was wir in der Regel von einem Arztbesuch erwarten . Diskretion, Privatheit, nichts von alledem. In einem Raum sitzen zwei Ärzte, die gleichzeitig Patienten behandeln, es kommen immer wieder neue herein, die Meisten sind ausgesprochen interessiert am Ergehen der Übrigen und gleich drei Personen standen direkt hinter mir und beobachteten, wie der Arzt meinen Fuß ansah. Neben mir wurde ein Mann versorgt, der offenbar gerade zwei Finger verloren hatte und gleich von vier seiner Arbeitskollegen gestützt wurde, ein anderer war auf einer Baustelle in ein Loch gefallen und ließ sich gleich mit drei Kollegen auf einer Liege nieder... Trotzdem, letztendlich wurden wir alle gut versorgt, ich hatte allerdings die ganze Zeit das Gefühl, mich in einem Film zu befinden. Mittlerweile ist der Fuß so gut wie in Ordnung, ich denke, ich kann meine Besuche des Fitnessbereichs bald fortsetzen. Im Massagesalon In Qingdao leben etwa 500 Ausländer, davon kommen etwa 300 aus Japan und Korea, der Rest ist eine bunte Mischung verschiedener Nationalitäten. Etwa 15 Deutsche gibt es, die ständig hier leben, daneben immer wieder eine größere Gruppe Studenten aus Rosenheim und Paderborn, die für 1/2 Jahr hier sind. Jeden Mittwoch ist Ladies Lunch in unterschiedlichen Restaurants, dort habe ich mich zu einem Mahjong Spiel verabredet. Gisela, eine deutsche Frau aus Bad Homburg, eine Neuseeländerin, eine Finnin, eine Italienerin und zwei Amerikanerinnen sind mit von der Partie. Es war sehr angenehm und so kam zum Ladies Lunch mein zweiter fester Termin in der Woche. Ein absolutes Muss übrigens für Alle, die uns hier besuchen werden, dürfte der gemeinsame Besuch eines Massagesalons sein. Wirklich! Wir sind am Samstag mit einem anderen Ehepaar zu einer Fuß- und Körpermassage gegangen, drei Stunden Zeit braucht man, aber die hat man hier. Man setzt sich für die Fußmassage in bequeme Sessel, nach einem Fußbad werden die Nägel mittels eines scharfen Messers geschnitten und dann geht es los. Es wird gepresst, gewalkt, gestrichen, geklopft, jeder noch so kleine Muskel, jede Sehne wird auf unterschiedlichste Art bearbeitet, manchmal ausgesprochen angenehm, manchmal bis hart an die Schmerzgrenze. Danach zieht man so etwas wie Baumwollschlafanzüge an und das ganze geht weiter mit dem übrigen Körper. Zum Schluss knien sie auf dem Rücken und ziehen einen nochmal an Armen und Beinen in unterschiedliche Richtungen. Das alles soll ausgesprochen gesund sein, einen Tag später hatte ich richtigen Muskelkater, der soll aber mit jedem weiteren Mal weniger werden. Massage und Akupressur machen übrigens auch die Friseure, die Kosmetikerinnen und auch bei der Maniküre wir der ganze Arm behandelt. Im Restaurant Immer noch ein Erlebnis sind die vielen Restaurants. Sehr genossen habe ich ein s.g. Hot-Pot Menu. In der Mitte des Tisches ist ein großer, noch einmal untergeteilter Topf eingelassen, beides ist mit Brühe gefüllt, eine Seite sehr scharf, die andere etwas milder. Immer wird auch Gesundes bedacht, z.B. kocht eine ganze Ginsengwurzel mit! Wie beim Fondue werden Gemüse, Pilze, Fleisch, Fisch, Süßkartoffeln, Nudeln hinein gegeben und natürlich gegessen. Für mich noch ungewohnt sind die Shrimps, die ebenfalls in einer Schüssel zum Kochen gereicht werden. Ungewohnt einfach, weil sie springlebendig sind, frischer geht`s wirklich nicht. Ich konnte sie beim ersten Mal nicht essen, werd`s aber irgendwann versuchen. Gut ist auch die südchinesische Küche, sie ist sehr würzig und scharf, eigentlich ist das Essen überhaupt nicht mit dem in deutschen Chinarestaurants zu vergleichen. Hier ist es einfach besser. Ganz nobel geht es zu, wenn wir offiziell zusammen eingeladen sind. Bei einer Einladung des Bürgermeisters gab es bestimmt 15 Gänge, auf goldenen Tellerchen, von wunderschönen Mädchen serviert. Alle sitzen rund um den Tisch, auffallend sind die Geräusche, wann hat man schon einmal bei einem so noblen Anlass so deutliches Schmatzen, diverse Rülpser und noch einiges dazu gehört !? Ihr könnt mir glauben, dass mir hier zumindest der Appetit trotzdem nicht vergeht ! Ständig steht dann jemand auf und sagt einige Worte, um mit einem Ganbei abzuschließen, was immer eine Aufforderung ist, das Glas vollständig zu leeren. Frauen können sich da noch schwach zeigen, Männer müssen sich wohl darauf einlassen. Reinhold trinkt immer Bier, da er Wein ebenso austrinken müsste. Zum Abschluss des Essens gibt es ein Schälchen Reis, dann , nach etwa 2 1/2 Stunden, wird das Essen plötzlich beendet, man verabschiedet sich und wenn man nicht noch gemeinsam zum Karaoke geht, war`s das dann. Beim Shopping Viel Zeit verbringe ich in Geschäften. Die schönsten sind die Antiquitätenläden, dort könnte ich soo viel kaufen! Selbst wenn sie nicht so alt wie beschrieben sind, sind sie für uns günstig zu erstehen. In dieser Woche werde ich mit Gisela (s.o.) Sachen kaufen, die sie Weihnachten mit nach Deutschland nimmt und die dort dann auf einem Weihnachtsbasar verkauft werden. Der Gewinn kommt dem Social Commitee zugute. Das lohnt sich einfach, weil man mit gutem Gewinn verkaufen kann. Frustrierend sind Bekleidungsläden, eigentlich gibt es europäische Größen nur in den Originalshops von Dior, Gucci, Boss o.a. Leider verlangen diese absolut europäische Preise, so dass ich mich eher an eine der vielen Schneidereien halten werde, nächste Woche wird mir eine Chinesin eine besonders gute zeigen. Sehr schön ist auch der Bargain Market. Dort kann man handeln und muss letztlich etwa 1/3 des geforderten Preises bezahlen. Man findet wunderschöne Perlen von guter Qualität, die Besten kosten umgerechnet ca. 80 Euro, man bekommt auch sehr gute für 10 Euro. Daneben gibt es ausgezeichnete Kopien oder vielleicht doch Originale von Taschen, Koffern, Kleidung, Uhren; wenn man den Trubel aushält kann man dort sehr viel Zeit verbringen.
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Stand: 19. Dezember 2008