| Das Expat - Storyboard: Reinhold und Beate: Eindrücke aus Qingdao / China (3)
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Die letzten Wochen waren durch den Besuch unserer Kinder hier in Qingdao sehr ausgefüllt. Es war eine sehr schöne Zeit und ich merke, dass es mir ganz gut geht bei dem Gedanken, dass zumindest Arne und Lena nun doch genau wissen, wovon ich rede oder schreibe. Weihnachten – More Fun Than Octoberfest! Die ersten Tage nach dem Heimflug der Kinder waren nicht so angenehm, allerdings kamen gleichzeitig die vielen anderen Expat Familien aus ihrem Weihnachtsurlaub zurück und geteiltes Leid ist halt immer ein bisschen halbes Leid. Arne und Lena fanden sehr schnell Kontakt zu einer kleinen, aber sehr aktiven Gruppe vorwiegend deutscher Studenten. Gleich nach ihrer Ankunft waren wir eingeladen zu einer Weihnachtsfeier im Institut für Deutsche Sprache an der Universität. Das war eigentlich wirklich Weihnachten. Die Chinesischen Studenten spielten kleine Geschichten mit einem wunderbaren Akzent und viel Spaß. Wir haben sämtliche deutschen Weihnachtslieder gemeinsam gesungen, so viele wie in den letzten Jahren in Deutschland nicht! Das Weihnachtfest hier zu verbringen, war eine echte Herausforderung. Das fing an mit der Entscheidung darüber, ob wir denn nun einen Weihnachtsbaum brauchen oder nicht. Ich hatte mich im Hinblick auf diese wunderbaren Plastikbäume eigentlich schon dagegen entschieden, Lena hat dann dafür gesorgt, dass wir doch einen sehr grünen , sehr künstlichen, zerlegbaren Baum gekauft haben und weil es eh schon so furchtbar war, haben wir noch einen zweiten Baum ganz in Silber dazu genommen( Reinholds alljährliches Bedürfnis nach Lametta ist damit sicherlich für einige Zeit gedeckt). Das Leben um uns herum ging unverändert weiter, es wurde an allen Tagen gearbeitet. Die Chinesen sehen das Weihnachtsfest eher als eine große Karnevalsparty. Man verkleidet sich als Nikolaus, geht zum Christmas Dinner, erhält dort Masken, Lärminstrumente, Konfetti und Luftballons, es gibt eine Verlosung alles nach dem Motto unseres Hotels (groß draußen plakatiert) "Christmas more fun than octoberfest" Wir konnten uns noch zu einem wirklich schönen Abendessen in einem italienischen Restaurant eine besinnliche Stimmung erhalten, als wir dieses dann jedoch verließen, war der Direktor des Hotel gerade mit einer Hebebühne bis in die Spitze der Lobby befördert worden, von wo aus er unter lautem Hallo die Gewinner der Tombola bekannt gab. Es ist einfach doch anders! Mittlerweile bereiten sich die Chinesen auf das Chinesische Neujahrsfest vor. Die Farbe Rot ist absolut vorherrschend. Günstig ist, dass man z.B. die Weihnachtsdekoration mit nur ganz kleinen Veränderungen umpolen kann. So steht vor unserem Hotel eine lichtergeschmückte Brücke, über die der Weihnachtsmann auf einem Schlitten von zwei Rentieren gezogen wurde. Jetzt stehen halt ein paar chinesische Figuren drauf! Nach dem chinesischen Kalender endet Ende Januar das Jahr des Pferdes und es beginnt das der Ziege. Das Jahr des Pferdes gehört zu den besten Jahren, die man nach den damit verbundenen Eigenschaften kennt. Das Jahr der Ziege ist dagegen eines der miesesten. Das führte dazu, dass viele Kinder noch zu Beginn des Jahres geplant wurden, die Krankenhäuser sollen überfüllt sein. Traditionell verbringen die Chinesen das Neujahrsfest bei den Familien der Eltern, was zu einer riesigen Völkerwanderung führt. Man sagt, dass über die Feiertage etwa 130 Millionen meist mit Bus und Bahn unterwegs sind. Das soll auch die einzige Zeit des Jahres sein, in der es etwas ruhiger ist, da viele Betriebe und Geschäfte schließen. Sylvester Sylvesterabend waren wir zu einem Chorkonzert mit etwa 8 Chören aus Qingdao, alle von sehr guter Qualität. Lediglich einige Stunden Stimmbildung hätte ich ihnen gewünscht. Am beeindruckendsten war ein Kinderchor mit Kindern so etwa zwischen 6 und 14 Jahren, die mit enormer Präzision vortrugen, unter anderem eine jazzige Version von" Jingle bells". Unsere Kinder haben uns während der Zeit zu diversen Einladungen begleitet. In China wird die Familie total miteinbezogen. Für Beide am beeindruckendsten war sicher die Einladung der s.g. Gewerkschaft der Degussa. Wie jedes Essen in einem solchen Rahmen, endete auch dieses mit Karaoke. Unterwegs mit den Kindern habe ich gemerkt, an wieviele Dinge ich mich bereits gewöhnt habe: an das ständige Angestarrtwerden, manchmal wird man regelrecht umrundet, damit man auch von allen Seiten ausreichend gesehen werden kann; an den Straßenverkehr, der eine einzige Regel befolgt: Alles bleibt im Fluß - Wehe, einer bleibt stehen oder macht eine plötzliche Bewegung in eine andere Richtung - außerdem, wieso laufen die Fußgänger ständig auf Zebrastreifen herum? Mit lautem Gehupe werden sie aufmerksam gemacht, das diese in China offensichtlich nur der Verzierung der Straßen dienen. Außerdem denke wirklich nicht, Du kannst bei grün gehen, manchmal gibt es als Pendant zu Deiner grünen Ampel überhaupt keine, die rot zeigt, also.....
In Qufu Bei einer Tour durch die Laoshan Berge an der Küste entlang haben wir wie immer Eier und Pilze bei Straßenhändlern dort gekauft. Was uns vorher nicht so klar war: diese leben bei Minustemperaturen in kleinen Holzverschlägen(Hütten ist zuviel gesagt), mit Plastik notdürftig gegen den heftigen Wind geschützt. Mit ihnen leben dort Hunde, Hühner, eine Bisamratte im Käfig, durchaus vorstellbar, dass sie gemeinsam in der Hütte übernachten. Dass die Hühner immer frisch geschlachtet werden, wenn ein Käufer kommt, ist für uns sehr ungewohnt, da der Vorgang des Tötens in Deutschland ja völlig anonymisiert ist. Hier werden in jedem Supermarkt eine Unzahl von lebendigen Tieren verkauft, die natürlich alle am Ort geschlachtet werden. Bei Fischen geht das noch, schwieriger ist es bei dicken Fröschen, Schlangen und Schildkröten ! Einige Tage sind wir in die Geburtsstadt von Konfuzius(541 v. Christus ist er geboren) gefahren. Etwa 5 Stunden ist man Dank durchgehender sehr guter Autobahnen heute noch unterwegs. In Qufu kann man sich das alte China noch sehr gut vorstellen. Es gibt einen großen Friedhof, auf dem die männlichen Konfuziusnachfahren bis heute begraben werden. Etwa 1/5 der Stadt wird von alten Tempelanlagen bedeckt, die nach seinem Tod von seinen Schülern und Anhängern erbaut wurden. Dann gibt es noch das Wohnhaus, in welchem der letzte Nachfahre bis 1945 gelebt hat, bevor er mehr oder weniger freiwillig nach Taiwan gegangen ist. Vieles ist während der Kulturrevolution zwar zerstört worden, es wurde jedoch wieder hergerichtet, nur Spuren kann man manchmal noch sehen. Besonders schön war, dass so wenige Menschen da waren. Es ist halt keine Reisezeit, im Sommer soll es sehr sehr voll sein. Auf dem Rückweg haben wir eine Tempelanlage besucht, die offensichtlich die Kulturrevolution unbeschadet überstanden hat. Bemerkenswert ist die Halle der 1000 Buddahs, in der neben unzähligen kleinen 40 lebensgroße Statuen stehen, die ältesten stammen aus dem Jahr 1041. Interessant ist, dass sie sehr verschieden dargestellt sind und Gesichtszüge sehr unterschiedlicher Herkunft zeigen. Man findet den Afrikaner ebenso wie den Asiaten und Europäer! In einem Wald befindet sich der Friedhof der Mönche, jedes Grab ist mit einer Stupa bedeckt, Arne und Lena haben diverse Fotos mitgenommen. Ganz in der Nähe befindet sich einer der 5 heiligen Berge Chinas, zu dem irdische Herrscher bereits vor 2000 Jahren gepilgert sind,um Himmel und Erde, Yang und Yin, in Einklang zu bringen. Leider reichte die Zeit nicht, um die insgesamt 6200 Stufen zum Gipfel zu bezwingen(etwa 6 Stunden braucht man wohl). Wir warten auf Besucher, um dann ganz stilgerecht bereits um Mitternacht mit ihnen den Aufstieg zu beginnen, der Sonnenaufgang soll ganz fantastisch sein! Bei allen Ausflügen, die man macht ist es eine unbedingte Notwendigkeit, die Straßen und vor Allem die Märkte zu besuchen. Interessantestes Erlebnis in Qufu war eine pausbäckige, dick in unterschiedlichste Kleidungsschichten eingepackte Frau, die in einer kleinen Garküche auf dem Markt eine Art gefüllte Pfannkuchen zubereitete. Über den obersten Mantel hatte sie eine Schürze gezogen mit der klaren Aufschrift "Beethoven Festival Bonn". Wir haben natürlich fotografiert, ein wunderbares Foto! Schockiert waren wir dann doch, als an einem kleinen Stand wirklich gut aussehendes Fleisch präsentiert wurde, welches sich dann anhand des deutlich erkennbaren Schädels und des Gebisses als Hundefleisch erwies. Tröstlich nur, dass in China der Schädel irgendwie mit dabei ist und dass wir mittlerweile wissen, dass Hundefleisch ganz dunkel und von anderen Fleischarten gut zu unterscheiden ist. Jetzt überleg ist, was noch ganz kurz zu berichten ist. Wir suchen sehr aktiv nach einem Haus, wollen uns jedoch wegen horrender Preisforderungen möglichst lange Zeit zum Handeln lassen. Heute hat es zum ersten Mal seit September einen halben Tag lang geregnet. Nur über Weihnachten gab es etwas Schnee. Mittlerweile ist die Luft so trocken wie bei einem Langzeitflug. Man braucht Luftbefeuchter und Unmengen an Creme, der Feuchtigkeitsgehalt soll bei 25 % liegen… Diese Woche werde ich das erste Mal an einer Privatschule s.g. Umgangsdeutsch unterrichten. D.h. man erwartet von mir eher Konversationsübungen als Grammatik, so dass ich mich darauf gut einlassen konnte. Außerdem handelt es sich um eine kleine Gruppe von Studenten, ich bin gespannt, was auf mich zukommt! Reinhold und Beate Hier können Sie uns Ihre Kommentare zur Story zusenden:
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Stand: 19. Dezember 2008