Das Expat - Storyboard:

Reinhold und Beate:

Eindrcke aus Qingdao / China (3)

05.02.2003

 

Die letzten Wochen waren durch den Besuch unserer Kinder hier in Qingdao sehr ausgefllt. Es war eine sehr schne Zeit und ich merke, dass es mir ganz gut geht bei dem Gedanken, dass zumindest Arne und Lena nun doch genau wissen, wovon ich rede oder schreibe.

Weihnachten More Fun Than Octoberfest!

Die ersten Tage nach dem Heimflug der Kinder waren nicht so angenehm, allerdings kamen gleichzeitig die vielen anderen Expat Familien aus ihrem Weihnachtsurlaub zurck und geteiltes Leid ist halt immer ein bisschen halbes Leid. Arne und Lena fanden sehr schnell Kontakt zu einer kleinen, aber sehr aktiven Gruppe vorwiegend deutscher Studenten. Gleich nach ihrer Ankunft waren wir eingeladen zu einer Weihnachtsfeier im Institut fr Deutsche Sprache an der Universitt. Das war eigentlich wirklich Weihnachten. Die Chinesischen Studenten spielten kleine Geschichten mit einem wunderbaren Akzent und viel Spa. Wir haben smtliche deutschen Weihnachtslieder gemeinsam gesungen, so viele wie in den letzten Jahren in Deutschland nicht! Das Weihnachtfest hier zu verbringen, war  eine echte Herausforderung. Das fing an mit der Entscheidung darber, ob wir denn nun einen Weihnachtsbaum brauchen oder nicht. Ich hatte mich im Hinblick auf diese wunderbaren Plastikbume eigentlich schon dagegen entschieden, Lena hat dann dafr gesorgt, dass wir doch einen sehr grnen , sehr knstlichen, zerlegbaren Baum gekauft haben und weil es eh schon so furchtbar war, haben wir noch einen zweiten Baum ganz in Silber dazu genommen( Reinholds alljhrliches Bedrfnis nach Lametta ist damit sicherlich fr einige Zeit gedeckt).

Das Leben um uns herum ging unverndert weiter, es wurde an allen Tagen gearbeitet. Die Chinesen sehen das Weihnachtsfest eher als eine groe Karnevalsparty. Man verkleidet sich als Nikolaus, geht zum Christmas Dinner, erhlt dort Masken, Lrminstrumente, Konfetti und Luftballons, es gibt eine Verlosung alles nach dem Motto unseres Hotels (gro drauen plakatiert)  "Christmas more fun than octoberfest" Wir konnten uns noch zu einem wirklich schnen Abendessen in einem italienischen Restaurant eine besinnliche Stimmung erhalten, als wir dieses dann jedoch verlieen, war der Direktor des Hotel gerade mit einer Hebebhne bis in die Spitze der Lobby befrdert worden, von wo aus er unter lautem Hallo die Gewinner der Tombola bekannt gab. Es ist einfach doch anders! Mittlerweile bereiten sich die Chinesen auf das Chinesische Neujahrsfest vor. Die Farbe Rot ist absolut vorherrschend. Gnstig ist, dass man z.B. die Weihnachtsdekoration mit nur ganz kleinen Vernderungen umpolen kann. So steht vor unserem Hotel eine lichtergeschmckte Brcke, ber die der Weihnachtsmann auf einem Schlitten von zwei Rentieren gezogen wurde. Jetzt stehen halt ein paar chinesische Figuren drauf! Nach dem chinesischen Kalender endet Ende Januar das Jahr des Pferdes und es beginnt das der Ziege. Das Jahr des Pferdes gehrt zu den besten Jahren, die man nach den damit verbundenen Eigenschaften kennt. Das Jahr der Ziege ist dagegen eines der miesesten. Das fhrte dazu, dass viele Kinder noch zu Beginn des Jahres geplant wurden, die Krankenhuser sollen berfllt sein. Traditionell verbringen die Chinesen das Neujahrsfest bei den Familien der Eltern, was zu einer riesigen Vlkerwanderung fhrt. Man sagt, dass ber die Feiertage etwa 130 Millionen meist mit Bus und Bahn unterwegs sind. Das soll auch die einzige Zeit des Jahres sein, in der es etwas ruhiger ist, da viele Betriebe und Geschfte schlieen.

Sylvester

Sylvesterabend waren wir zu einem Chorkonzert mit etwa 8 Chren aus Qingdao, alle von sehr guter Qualitt. Lediglich einige Stunden Stimmbildung htte ich ihnen gewnscht. Am beeindruckendsten war ein Kinderchor mit Kindern so etwa zwischen 6 und 14 Jahren, die mit enormer Przision vortrugen, unter anderem eine jazzige Version von" Jingle bells". Unsere Kinder haben uns whrend der Zeit zu diversen Einladungen begleitet. In China wird die Familie total miteinbezogen. Fr Beide am beeindruckendsten war sicher die Einladung der s.g. Gewerkschaft der Degussa. Wie jedes Essen in einem solchen Rahmen, endete auch dieses mit Karaoke. Unterwegs mit den Kindern habe ich gemerkt, an wieviele Dinge ich mich bereits gewhnt habe: an das stndige Angestarrtwerden, manchmal wird man regelrecht umrundet, damit man auch von allen Seiten ausreichend gesehen werden kann; an den Straenverkehr, der eine einzige Regel befolgt: Alles bleibt im Flu - Wehe, einer bleibt stehen oder macht eine pltzliche Bewegung in eine andere Richtung - auerdem, wieso laufen die Fugnger stndig auf Zebrastreifen herum? Mit lautem Gehupe werden sie aufmerksam gemacht, das diese in China offensichtlich nur der Verzierung der Straen dienen. Auerdem denke wirklich nicht, Du kannst bei grn gehen, manchmal gibt es als Pendant zu Deiner grnen Ampel berhaupt keine, die rot zeigt, also.....

 

In Qufu

Bei einer Tour durch die Laoshan Berge an der Kste entlang haben wir wie immer Eier und Pilze bei Straenhndlern dort gekauft. Was uns vorher nicht so klar war: diese leben bei Minustemperaturen in kleinen Holzverschlgen(Htten ist zuviel gesagt), mit Plastik notdrftig gegen den heftigen Wind geschtzt. Mit ihnen leben dort Hunde, Hhner, eine Bisamratte im Kfig, durchaus vorstellbar, dass sie gemeinsam in der Htte bernachten. Dass die Hhner immer frisch geschlachtet werden, wenn ein Kufer kommt, ist fr uns sehr ungewohnt, da der Vorgang des Ttens in Deutschland ja vllig anonymisiert ist. Hier werden in jedem Supermarkt eine Unzahl von lebendigen Tieren verkauft, die natrlich alle am Ort geschlachtet werden. Bei Fischen geht das  noch, schwieriger ist es bei dicken Frschen, Schlangen und Schildkrten ! Einige Tage sind wir in die Geburtsstadt von Konfuzius(541 v. Christus ist er geboren) gefahren. Etwa 5 Stunden ist man Dank durchgehender sehr guter Autobahnen heute noch unterwegs. In Qufu kann man sich das alte China noch sehr gut vorstellen. Es gibt einen groen Friedhof, auf dem die mnnlichen Konfuziusnachfahren bis heute begraben werden. Etwa 1/5 der Stadt wird von alten Tempelanlagen bedeckt, die nach seinem Tod von seinen Schlern und Anhngern erbaut wurden. Dann gibt es noch das Wohnhaus, in welchem der letzte Nachfahre bis 1945 gelebt hat, bevor  er mehr oder weniger freiwillig nach Taiwan gegangen ist.

Vieles ist whrend der Kulturrevolution zwar zerstrt worden, es wurde jedoch wieder hergerichtet, nur Spuren kann man manchmal noch sehen. Besonders schn war, dass so wenige Menschen da waren. Es ist halt keine Reisezeit, im Sommer soll es sehr sehr voll sein. Auf dem Rckweg haben wir eine Tempelanlage besucht, die offensichtlich die Kulturrevolution unbeschadet berstanden hat. Bemerkenswert ist die Halle der 1000 Buddahs, in der neben unzhligen kleinen 40 lebensgroe Statuen stehen, die ltesten stammen aus dem Jahr 1041. Interessant ist, dass sie sehr verschieden dargestellt sind und Gesichtszge sehr unterschiedlicher Herkunft zeigen. Man findet den Afrikaner ebenso wie den Asiaten und Europer! In einem Wald befindet sich der Friedhof der Mnche, jedes Grab ist mit einer Stupa bedeckt, Arne und Lena haben diverse Fotos mitgenommen. Ganz in der Nhe befindet sich einer der 5 heiligen Berge Chinas, zu dem irdische Herrscher bereits vor 2000 Jahren gepilgert sind,um Himmel und Erde, Yang und Yin, in Einklang zu bringen. Leider reichte die Zeit nicht, um die insgesamt 6200 Stufen zum Gipfel zu bezwingen(etwa 6 Stunden braucht man wohl). Wir warten auf Besucher, um dann ganz stilgerecht bereits um Mitternacht mit ihnen den Aufstieg zu beginnen, der Sonnenaufgang soll ganz fantastisch sein!  Bei allen Ausflgen, die man macht ist es eine unbedingte Notwendigkeit, die Straen und vor Allem die Mrkte zu besuchen. Interessantestes Erlebnis in Qufu war eine pausbckige, dick in unterschiedlichste Kleidungsschichten eingepackte Frau, die in einer kleinen Garkche auf dem Markt eine Art gefllte Pfannkuchen zubereitete. ber den obersten Mantel hatte sie eine Schrze gezogen mit der klaren Aufschrift "Beethoven Festival Bonn". Wir haben natrlich fotografiert, ein wunderbares Foto! Schockiert waren wir dann doch, als an einem kleinen Stand wirklich gut aussehendes Fleisch prsentiert wurde, welches sich dann anhand des deutlich erkennbaren Schdels und des Gebisses als Hundefleisch erwies. Trstlich nur, dass  in China der Schdel irgendwie mit dabei ist und dass wir mittlerweile wissen, dass Hundefleisch ganz dunkel und von anderen Fleischarten gut zu unterscheiden ist.

Jetzt berleg ist, was noch ganz kurz zu berichten ist.

Wir suchen sehr aktiv nach einem Haus, wollen uns jedoch wegen horrender Preisforderungen mglichst lange Zeit zum Handeln lassen. Heute hat es zum ersten Mal seit September einen halben Tag lang geregnet. Nur ber Weihnachten gab es etwas Schnee. Mittlerweile ist die Luft so trocken wie bei einem Langzeitflug. Man braucht Luftbefeuchter und Unmengen an Creme, der Feuchtigkeitsgehalt soll bei 25 % liegen

Diese Woche werde ich das erste Mal an einer Privatschule s.g. Umgangsdeutsch unterrichten. D.h. man erwartet von mir eher Konversationsbungen als Grammatik, so dass ich mich darauf gut einlassen konnte. Auerdem handelt es sich um eine kleine Gruppe von Studenten, ich bin gespannt, was auf mich zukommt!

Reinhold und Beate


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Stand: 28. Juni 2010