Das Expat - Storyboard:

Peter Bruggmann:

Das erste Jahr in Bangkok , Thailand

Ein Lagebericht

13.03.2003

 

Mir geht es gut, nein sehr gut hier in Bangkok und bin wirklich froh und glücklich, dass meine Familie und ich diese Möglichkeit haben, dieses Abenteuer zusammen zu erleben. Leider weiß ich (noch) nicht, wie lange ich in Thailand bleiben darf, muss, kann oder soll! Meine Familie und ich  fühlen uns sehr wohl hier.
In der ersten Phase war und ist es verständlicherweise nicht einfach, doch die positiven Eindrücke überwiegen bei weitem. Es ist schön einfach ein Lächeln, von einem Menschen, für nichts zu erhalten! Meine Frau und ich haben noch nie daran gedacht, den falschen Entscheid getroffen zu haben. Es war der Richtige, aber auch ein sehr, sehr schwieriger Schritt… 

Die Thai sind ein sehr stolzes Volk. Das hängt mit der Geschichte zusammen, sie waren immer frei, daher auch der Name Thailand: das Land der Freien. Konflikte werden nicht ausgetragen! Dass heißt auch, dass es nie zu einem Konflikt kommen darf. Sie lieben es Unangenehmes zu verdrängen. Die Thais kennen das Wort „nein“ nicht. Man merkt spätestens, wenn etwas nicht erledigt oder ausgeführt wird, dass das vermeintliche „ja“ ein „nein“ war. Sie sind ein sehr feinfühliges Volk und haben sehr viel Sinn für Schönheit, Genuss und Vergnügen. Die Emotionen sind wichtig, doch das Geld ist eine der wichtigsten Triebfedern hier (Konfuzius lässt grüßen)…  

Der Koenig von Thailand wird verehrt und ist unantastbar. Die Regierung in Thailand ist „demokratisch“; der Premierminister hatte ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung am Hals. Er ist einer der reichsten Männer von Thailand und besitzt die wichtigsten Medien (analog Berlusconi in Italien). Er ist chinesischer Abstammung wie alle wichtigsten Wirtschaftsführer in Thailand und ganz Südostasien. Diese Auslandschinesen bestimmen die ganze pazifische Geschäftswelt. Die Beziehungen in der thailändischen Geschäftswelt sind das A und O. Leider ist die Korruption sehr verbreitet. Man darf das jedoch nicht verurteilen, sondern muss auch den geschichtlichen Hintergrund betrachten. Sagen wir es mal so: es ist einfach ganz anders! Nicht gut und nicht schlecht…  

Bangkok ist die Wirtschaftsmetropole mit rund 10-11 Mio. Einwohnern. Hier wird alles entschieden und gesteuert. Man kann es in einem Atemzug lieben und hassen. Es ist eine faszinierende, pulsierende und sehr lebendige Stadt! Mit allen Vor- und Nachteilen. Mir persönlich gefällt diese verrückte Stadt immer noch! Die Unterschiede zu der europäischen Mentalität (falls es eine Einheitliche gibt!) sind gewaltig. Man muss unbedingt mit damit klar kommen, ansonsten scheitert man unweigerlich, allerdings ohne seine eigene Identität zu verlieren. Es ist wichtig, dass man, unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände, seine eigenen Grenzen zieht. In Thailand hat man ein ganz anderes Planungsverständnis als wir es uns in Europa gewöhnt sind; es wird nur sehr begrenzt vorausschauend gedacht. 

Da meine Frau sich hier nicht auf die eigene gewohnte Familienstruktur wie Eltern, Schwiegereltern oder Schwester abstützen kann muss sie hier viel selbständiger unsern Alltag organisieren. Sie hat durch die Schweizerschule schon sehr viele Kontakte mit Deutschen und Schweizer Frauen geknöpft und ein gutes soziales Netzwerk aufgebaut, dass natürlich durch die Kinder erst möglich wurde. Die täglichen Besorgungen  nehmen sie stark in Anspruch, da hier alles viel mehr Zeit (Verkehr, Sprachprobleme etc.) beansprucht. Mittlerweile hilft sie als Elternvertreterin und als Freiwillige in der Schulbibliothek in der Schweizerschule aktiv mit. 

Den Kindern gefällt es in Bangkok und sie haben schon gute Freundschaften geschlossen. Unsere Familie ist mittlerweile gewachsen. Jedes Kind hat eine Schildkröte als Haustier. Wir sind also in Bangkok nun wirklich zuhause… 

Am Morgen werden die Kinder um 6.30 mit dem Schulbus abgeholt und um 13.00 kehren sie zurück. Am Nachmittag haben sie frei. Alle drei haben den Schritt recht gut bewältigt. In der Schule geht´s recht gut, aber das Leben ist viel rauher. Ich war überrascht zu spüren, dass der Wechsel für die Kinder, nicht wie immer prophezeit sehr einfach, sondern wirklich sehr schwierig war. Es gibt viele Unterstufenkinder, die von den Lehrern sehr schwer zu führen sind und schon als Erstklässler absolut keinen Respekt vor dem Lehrer haben. Es hat schon mehrere Krisensitzungen in der Schule gegeben bei denen alle Eltern eingeladen waren um zusammen Lösungen zu finden. Insgesamt habe ich bei der Schweizerschule habe ich teilweise „große Fragezeichen“; für eine so teure Privatschule sollte man mindestens das gleiche Niveau wie in der normalen Volksschule in der Schweiz erwarten können. Dies ist jedoch nicht der Fall.  

Kürzlich wurde ich, zur großen Überraschung aller, zum Präsidenten der Schulkommission gewählt. Diese Kommission entscheidet und bestimmt schlussendlich was in der Schule läuft. Ich werde pro Monat einen Abend einsetzen müssen; dies mache ich gerne zum Wohl der Kinder und der Schule. Es gab für mich nur zwei Möglichkeiten in Bezug auf meine Unzufriedenheit mit der Schweizerschule: Einsteigen oder Aussteigen.  

Ich selbst fühle mich insgesamt wohl hier… Klar, hat es Situationen gegeben, bei denen ich starke Nerven brauchte. Die ganze Geschichte mit dem Workpermit war ein bürokratisches Spießrutenlaufen. Es braucht hier alles seine Zeit: Bankverbindungen, Telefon und … Ich musste gezwungenermaßen geduldig bleiben und Luft holen. Dies hat mir nicht geschadet. Ich glaube ich bin gelassener und feinfühliger geworden. Mein Puls schnellt nicht mehr so schnell hoch. Mittlerweile habe ich Nerven wie „Elefantenbeine“, zumindest meistens! Wir wohnen in einem sehr schönen Haus mit Garten. Vor einiger Zeit hatten wir eine Begegnung der besonderen Art: eine sehr große Kobra (< 1.8m) hat sich vor unserem Hausplatz rumgetrieben. Die Schlange ist etwa einen halben Meter an meiner Frau vorbeigerauscht. Sie hat es sehr cool genommen und ich hatte von der ganzen Familie wohl am meisten Angst! Mittlerweile hat sich meine Angst gegenüber den Schlangen im Garten ein wenig gelegt. Neulich musste ich mich darum kümmern, dass eine Phyton vor dem Hauseingang eingefangen wurde. Aber nicht von mir!

 

Ich habe mittlerweile begonnen Tennis zu spielen, dass ich einen Ausgleich zum Arbeiten habe. Daran habe ich sehr viel Freude: so richtig schwitzen und sich verausgaben... Durch diese Betätigung habe ich auch Kontakt zu anderen Ausländern. Diese Kontakte sind wichtig um „abschalten“ zu können. Klar vermisst man manchmal auch die Heimat, je nach Gemütslage, denkt an die Entbehrungen, die man hier auf sich nimmt. Ich denke mir jedoch, dass alles seinen Sinn und Zweck hat, dass diese Erfahrungen wirklich ‚unbezahlbar“ sind. Dieser Aufenthalt wird mich und meine Familie für die Zukunft stark prägen. Als Zusammenfassung bleibt mir da nur zu sagen: hart aber herzlich!

 


Hier können Sie uns Ihre Kommentare zur Story zusenden:


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Sehr geehrter Webmaster,

Durch Eltern sind wir auf eine Story von Herrn Peter Bruggmann auf Ihrer Website aufmerksam gemacht worden.

Die in dem Beitrag gemachten Äusserungen von Herrn Bruggmann dienen offenkundig der Diffamierung der Schweizer Schule in Bangkok. Herr Bruggmann war tatsächlich im Oktober 2002 als Präsident des Schulvorstands der Schweizer Schule Bangkok gewählt worden.

Nur wenige Monate später ist die Mehrheit der Vorstandsmitglieder wegen seinen persönlichen Ansichten zurück getreten und er wurde kurz darauf von einer Mehrheit der Eltern abgewählt.

Wir möchten Sie daher bitten, den folgenden Teil seiner „Story“ nicht zu veröffentlichen bzw. zu streichen:

Es gibt viele Unterstufenkinder, die von den Lehrern sehr schwer zu führen sind und schon als Erstklässler absolut keinen Respekt vor dem Lehrer haben. Es hat schon mehrere Krisensitzungen in der Schule gegeben bei denen alle Eltern eingeladen waren um zusammen Lösungen zu finden. Insgesamt habe ich bei der Schweizerschule habe ich teilweise „große Fragezeichen“; für eine so teure Privatschule sollte man mindestens das gleiche Niveau wie in der normalen Volksschule in der Schweiz erwarten können. Dies ist jedoch nicht der Fall.  

Kürzlich wurde ich, zur großen Überraschung aller, zum Präsidenten der Schulkommission gewählt. Diese Kommission entscheidet und bestimmt schlussendlich was in der Schule läuft. Ich werde pro Monat einen Abend einsetzen müssen; dies mache ich gerne zum Wohl der Kinder und der Schule. Es gab für mich nur zwei Möglichkeiten in Bezug auf meine Unzufriedenheit mit der Schweizerschule: Einsteigen oder Aussteigen.“

Für eine Rückbestätigung wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüssen

Jürgen Fritsche

Business Manager

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Stand: 28. Juni 2010