Das Expat - Storyboard:

Christel:

Tagebuch - Notizen aus Indien (1)

01.11.2000
Hallo,

ich werde versuchen, aus meinem Tagebuch ein paar Stories für das Storyboard rauszufischen. Mein name ist Christel und ich bin mit meinem Mann Wulf seit ca. 1,5 Jahren in Bangalore im südindischen Staat Karnataka. Er "darf" hier arbeiten und ich erlebe das Land und die Menschen.

September '99

Eine kleine Geschichte zum Thema Mitbewohner

Wie in vielen tropischen Ländern gibt es bei uns im Haus Geckos oder sog. Lizards, die die Wände auf und ab rennen auf der Suche nach Moskitos. Vereinzelt finden wir Küchenschaben (Cockroaches), die aber in meinem Haushalt meist Hungers sterben, da inzwischen fast alles Essbare in Gläsern oder "Tupper" verschlossen wird. Nur gegen die Ameisen muss ich mir immer wieder etwas einfallen lassen. In manchen Jahreszeiten treten verstärkt fliegende Ameisen auf, ansonsten kommen hauptsächlich winzig kleine auf Besuch in meine Küche, um zum einen die liegengebliebenen Krümel wegzuräumen als auch mal von meinem selbstgebackenen Vollkornbrot zu versuchen. Da mir das letztere nicht so recht ist, musste ich eine Lösung dafür finden, die wie folgt aussieht: Zuerst nehme ich ein Serviertablett, fülle es mit Wasser, stelle darauf ein rundes Kuchengitter und auf dieses kommt das Brot zum Abkühlen. Ich warte jetzt immer noch darauf, dass sie mit dem Schwimmunterricht anfangen!

November 99: 

Der Führerschein

Damit es mir nicht langweilig wird, habe ich beschlossen, mir den indischen Führerschein auf eigene Faust und mit Hilfe unseres Fahrers Gopi zu besorgen. Der internationale Führerschein gilt im Ausland "theoretisch" nur so lange, bis man dort einen festen Wohnsitz hat. Ich könnte mich auch an die Firma meines Mannes wenden, dort 2000 Rupien bezahlen und mir würden der Papierkram und das "Schmieren" abgenommen. 
Am ersten Tag dauerte es ca. eine halbe Stunde, bis wir nach mehrmaligem Hin- und Herschicken an der Stelle waren, um die erste Gebühr zu bezahlen. Mit der Quittung konnte ich mir dann ein Formular abholen, das ich allerdings nicht lesen konnte, da es in der Landessprache Kannada war. Auch Gopi war keine große Hilfe, da er zwar Kannada sprechen, aber nicht lesen und schreiben kann. Daran denke ich meist nicht, da bei uns eine Sprache auch meist das Lesen und Schreiben beinhaltet. 
Der Beamte war so nett und sagte mir, was ich wo eintragen muss. Dann ging es weiter zu verschiedenen Beamten, denen Gopi ab und zu ein paar Rupien über den Tisch schob. Auf einmal hieß es, ich müsste einen schriftlichen Test machen. Nach zwei Stunden war dann ein wichtiger Beamter nach Hause gegangen und ich konnte auch gehen. Am zweiten Tag gab es ein neues Formular, es musste eine Kopie vom internationalen Führerschein gemacht werden und ich sollte am nächsten Tag wiederkommen. 
Am dritten Tag wurde ich langsam ungeduldig. Da Wulf samstags den halben Tag arbeiten muss, hatten wir nicht sehr viel Zeit. Ich bekam wieder ein neues Formular und jetzt war die Rede von einer Fahrprüfung. Um 11 Uhr brachen wir dann ab, da nicht klar war, wie lange der Beamte brauchen würde, um meinen Antrag zu begutachten und wir beschlossen, montags wiederzukommen. Ich war recht frustriert. Gopi meinte nur, ein Baby würde schließlich auch neun Monate dauern und wir wären grade mal 3 Tage zugange. Irgendwie hatte er recht! 

Hurra, am 4. Tag erhalte ich meinen indischen Führerschein, der bis 2006 gültig ist. Ich musste tatsächlich mit dem Fahrprüfer eine Runde um den Block fahren (in Indien ist Linksverkehr!). Ich durfte sogar zum Abbiegen den Blinker benutzen und musste nicht den Arm raushängen, um dies per Handzeichen kundzutun (es regnete an diesem Tag!). Und als Besonderheit: Dieser Prüfer nahm keinerlei Schmiergeld an, obwohl Gopi ihm dies zweimal angeboten hatte. Das lässt doch hoffen!

Fortsetzung folgt

Christel

 


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Die bisher einhellige Meinung: Eine gute Story! 

 

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Stand: 28. Juni 2010