Das Expat - Storyboard:

Heike:

Einleben mit Erdbeben -
Bericht von einem Umzug nach Japan

(5) Rückkehr nach Tokyo, April 2011

 

Hallo zusammen,
 
kämpfe zwar gerade mit dem Jetlag, will mich aber dennoch schnell melden. Nachdem wir letzte Woche plötzlich damit konfrontiert waren, dass die Firma die Jungs und mich unter Umständen nach Deutschland transferieren würde, wo wir dann, wo auch immer und für wie lange auch immer in einem angemieteten Apartment, in fremder Umgebung, Schule etc. hätten bleiben müssen, bis sich die Lage in Japan entspannt, haben wir kurzfristig unser Rückflugticket für den 9.4. genutzt und sind zurück nach Japan geflogen.

Die Deutsche Botschaft hatte die Reiseeinschränkungen für Erwachsene gelockert. Damit dürfen auch wieder die Lehrer zurück nach Japan und eigentlich hatte die Schule angedeutet, dass ein geregelter Schulbetrieb eventuell ab dem 18. April möglich wäre, was ich aber noch nicht ganz so sehe. Die Strahlenwerte, Trinkwasser in Tokyo sind ok, derzeit, wenn keine großen Wolken auf Tokyo geblasen werden.... So schien es uns das kleinere Übel zu sein, zurück nach Japan zu gehen, wo wir dann auch endlich wieder zusammen sein können, als irgendwo mutterseelen allein in Deutschland zu hängen mit unseren fünf Habseligkeiten. Nach dreizehn Stunden Flug waren wir alle ziemlich KO. Zum Glück hat es von der Landung durch die Immigration, Gepäck abholen und Zoll nur dreißig Minuten gedauert und wir waren alle glücklich, als Markus uns in die Arme nehmen konnte. Dann waren es noch knapp zwei Stunden mit dem (Miet)auto nach Hause, dass mir irgendwie doch nicht wie zuhause vorkam.

Unsere ersten Wochen hier in Japan waren wirklich gut und es hat uns sehr gefallen. Tokyo ist immer noch schön, das Wetter ist herrlich, die Kirschblüte unglaublich..... und dennoch hat alles irgendwie einen faden Beigeschmack. Gestern hat es dann wieder heftig gebebt. Max hatte Angst und ich musste mit ihm unter den Tisch. Das Beben war gar nicht so schlimm, aber ich habe sofort geschaut, ob was in Fukushima passiert ist. Wenn es einem sonst vielleicht gut gelingt, seine Bedenken bedeckt zu halten, kommen sie in solchen Momenten natürlich wieder voll zum Vorschein.

Markus hatte sich heute einen Tag frei genommen. Wir waren einkaufen. Die Erdbeeren waren echt preiswert und sahen auch mehr als schön aus, aber wir haben sie nicht gekauft, weil wir das Label nicht lesen konnten und nicht wussten, woher sie kamen. Es gibt Supermärkte, in denen Wasser und Milch rationiert werden. Milchprodukte generell sind kaum zu bekommen. Morgen werden die Jungs wieder für halbe Tage in die Schule in eine pädagogische Betreuung gehen, wo sie auch Hausaufgabenhilfe bekommen. Ich denke, es ist gut, dass sie wieder einen geregelten Alltag bekommen. Heute habe ich allerdings gehört, dass die Kinder heute in der Schule nicht draußen spielen durften, weil es Nordwind gab. Fand ich nicht so gut, weil ich denke, dass so etwas die Kinder nur verunsichert. Überhaupt gibt es nur sehr wenige Kinder derzeit an der Schule. Keine Ahnung, ob so überhaupt ein geregelter Schulbetrieb möglich sein wird.

Ich hoffe, wir werden in nächster Zeit halbwegs in Ruhe entscheiden können, wie es mit uns weitergeht. Es wird Zeit, dass wir langsam wieder in ruhiges Fahrwasser kommen, wir sind alle erschöpft.

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(6) Juni 2011 Tokyo - Ein neuer Start


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Stand: 25. Februar 2015