Das Expat - Storyboard:

Roland Schwarz:

Tips für China

28. Mai 2002
 

Hallo miteinander.
Schwarz Roland mein name. IFIM Teilnehmer vom Juni 2001....

In Ihrem Seminar wurde angedeutet das sich irgendwann mal ein Tief abzeichnen werde, so in etwa 6-7 Monaten. So etwa wie "was mache ich überhaupt hier und daheim hätte ich es doch viel schöner" usw. Ich muss Ihnen aber sagen das dieser Kelch an uns vorüber ging, wahrscheinlich hat er einen anderen doppelt getroffen. 

Auch möchte ich Ihnen von der Problematik erzählen die es gibt - oder auch nicht wenn man nur am Wochenende nach Hause kommt zur Familie. Diese Lösung das ich unter der Woche 500 Km weg von Peking arbeite hat sich als gar nicht so schlecht erwiesen. Ich habe unter der Woche eine Arbeitszeit von 24 Stunden am Tag. Also, ich bin immer erreichbar. Freitag Abend setze ich mich dann ins Flugzeug und bin etwa 7 Uhr Abends zuhause. Montag Morgen um 10 Uhr fliege ich zurück. Wäre ich an dem gleichen Ort beschäftigt an dem wohne so würde meine Familie mit Sicherheit darunter leiden. Ich komme spät abends heim. Kinder sind wahrscheinlich schon im Bett. Und morgens wenn ich aufstehe sind diese schon unterwegs zur Schule. Der Bus geht um 7 Uhr morgens. Am Wochenende würde ich auch noch Unterlagen nach Hause schleppen oder mich am Sonntag Morgen von der Frau mit den Worten verabschieden, " ich fahr mal schnell ins Büro" und bin dann für Stunden verschollen. Die Wochenendlösung ist einfach gut. Und ich nehme keine Unterlagen mit nach Peking. Einzig, ich bin mit dem Handy erreichbar. Die Familie hat einfach mehr von mir.

Deshalb auch noch einmal eine Bitte an Sie. Weisen Sie darauf hin, das solche Vertragsnehmer die Ihren Arbeitsplatz weit weg haben von der Familie auch wirklich keinerlei Unterlagen am Wochenende mit nach Hause nehmen. Wochenende gehört nur der Familie. Diese braucht das.

Eingelebt haben wir uns auch recht gut. Wir haben mittlerweile auch chinesische Freunde mit denen wir vieles gemeinsam unternehmen. Dies ergab sich aber nicht so schnell. In diesen Familienverband sind wir regelrecht hinein gerutscht. Mittlerweile sagen unsere Kinder auch schon Großvater zum Oberhaupt des Clans und ich werde ab und zu schon großer Bruder auf chinesisch genannt. Wir haben auch festgestellt das dies nicht ein Geben und Nehmen ist, sondern das sich diese Freundschaft auf ganz andere Weise vollzieht. Man ist einfach für einander da. Mittlerweile gehen wir auch in deren Haus ein und aus. Erst da haben wir festgestellt wie tief man in eine Kultur eintauchen kann ohne gleich anzuecken. Man kann sich vieles aus einer anderen Perspektive erklären lassen und man erklärt auch was in unserer Lebensweise anders ist. Auch sind dann Themen wie Tod oder Politik nicht mehr Tabuthema. Dies aber wird niemals in der Öffentlichkeit besprochen.

Ebenso die Freundlichkeit der Menschen hier ist etwas besonderes. Dies haben wir Europäer schon verlernt wie ich meine. Mit einwenig zurücklächeln erreicht man oft mehr als ohne. Und Sie können mir glauben das dies in Beijing sehr schlimme Ausmaße angenommen hat. Wenn ich eine Liste schreiben müsste in der die Rangfolge festgeschrieben ist wer sich am schlimmsten aufführt so wäre das mit Sicherheit der Amerikaner und gleich dahinter der Deutsche. Sicherlich wir haben mehr Geld manchmal im Geldbeutel als was der Chinese im Monat als Gehalt hat aber, muss man sich das so heraushängen lassen und den Chinesen als Mensch zweiter Wahl ansehen? Auch dies sollten Sie nochmals in ihrem Seminar ansprechen.

Eigentlich muss ich nun wieder was Arbeiten. Aber das musste auch mal sein. Sollten Sie irgendwann mal nach Peking kommen oder Boshan in der Provinz Shandong so besuchen Sie mich oder meine Familie doch einfach- und sei es nur um ein wenig zu quatschen. Kurze Mail vorab würde genügen.

Mit den besten Grüssen auch an die Mitarbeiter von IFIM
Schwarz Roland



Hier können Sie uns Ihre Kommentare zur Story zusenden:


(hier klicken)

 

 

Copyright © 2000  IFIM GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: 28. Juni 2010