Das Expat - Storyboard:

Silvia Strensch

Osterbräuche ...

31. Juni 2002

Impressionen aus Louisville, Kentucky (4)

Eigentlich erscheint einem hier alles so gleich, so wie man es gewohnt ist. Und doch sind es dann all die vielen Kleinigkeiten, die so anders sind. Zum Beispiel Ostern. Ab Anfang März habe ich Eier ausgeblasen, damit die Kinder diese dann anmalen und wir sie an einen Osterstrauß  hängen können. Tja, und der Osterstrauß, bzw. die Zweige, so wie wir sie nehmen in Deutschland, wurde dann zum Problem. Man kennt hier Ostersträuße nicht. Und mein Versuch solche Zweige zu bekommen haben nach drei erfolglos durch die Gegend gefahrenen Tagen und ca. 80 gefahrenen Meilen darin geendet hat, dass ich unechte kaufen musste. Also welche aus Plastik. Aber am Ende war ich froh, diese wenigsten zu haben. Scheinbar waren sie gar nicht so schlecht, da Felix den Osterstrauch am Abend des dritten Tages kommentierte: "Na also, hast Du doch noch Zweige gefunden!".

Ich meine, der Vorteil war, das muss ich nachträglich zugeben: kein Dreck durch herunterfallende Blüten und Blätter. Kein Wasser zum Nachgießen und für die nächsten Jahre habe ich ausgesorgt.

In den Läden fragten sie mich, für was ich sie benötige, und alle sagten mir, dass das ja eine nette Idee sei, aber dass das hier keiner macht. Half mir natürlich auch nicht weiter. Wie auch immer, auch unsere deutschen und schweizer Gäste, also andere hier lebende mit dem Brauch vertraute Familien, die uns in der Osterzeit besuchten, stellen alle fest "wo hast du nur diese Zweige gefunden, sieht sehr schön aus" und hielten sie für echt. Sie sahen also sehr echt aus.  

Als wir im Kindergarten vom Eier anmalen erzählt haben, um sozusagen eine etwas andere Kultur einzubringen und dies dort mit den Kindern auch zu machen, kam als erste Gegenfrage: "wie bekommen Sie die ausgeblasenen Eier denn innen sauber!" Da die Amerikaner am liebsten alles antibakteriell gereinigt haben, scheiterte es also daran. Na gut, so war es halt!

 Auch mit den Plastikeiern am Osterstrauch im Garten fielen wir auf, denn öffentliche Osterdekoration findet kaum statt. Ich nehme an, die ganze Dekorations-Energie wird bereits an Weihnachten verbraucht! Aber bereits etwas veramerikanisiert hatten wir eine Osterflagge am Haus. Da hier sowieso jedes Haus einen Flaggenhalter hat - wir also auch - hing über den Winter eine mit Schneemann darauf und zu Ostern eben eine mit Ostereiern und Happy Easter Aufschrift. Für den Frühling haben wir noch keine gefunden die uns gefällt, so hängt momentan halt noch Ostern. 

Als Besonderes zu Ostern wurde in Philipps Schule ein Easter Egg Drop gemacht. Das bedeutet,  alle Kinder, vom Kindergarten bis zur 4. Klasse mussten ein echtes rohes Ei verpacken. Verpackungskosten max. 1 $. Diese verpackten Eier wurden dann am letzten Schultag vor den Frühjahrsferien von einem "Hasen" vom Schuldach (Höhe ca.6 m) geworfen. Das war ein Wahnsinns Spaß und hat sowohl den Kindern als auch den Erwachsenen viel Spaß bereitet. Philipp hat sein Ei in reichlich Bubblefolie vom Umzug verpackt und es kam auch heil unten an. Andere haben es zum Beispiel in eine 2 Liter Plastikflasche getan, die mit Wackelpudding gefüllt war. Das gab einen Riesen Knall, denn es platzte auseinander und dementsprechend sah es auf dem Asphalt dann auch aus. Aber natürlich gab es auch einen großen Lacherfolg. So auch die Idee mit dem Ei in Wackelpudding in Tüte in Mehl in Tüte. Eine noch größere Sauerei , aber ein großer Lacherfolg. Ich würde sagen 1/3 der Eier kamen unten kaputt an, der Rest blieb ganz.

Ich sagte daraufhin zu Philipp, dass er das nächste Jahr sein Ei auch so verpacken soll, dass es kaputt geht, da es echt witziger war, aber er besteht darauf, dass sein Ei auch nächstes Jahr "heil" unten ankommt. Danach gab es ein Frühstück in der Schule für alle Kinder und Eltern der beteiligten Klassen. Also war echt was los und es hat Spaß gemacht. Vielleicht greift ja einer von Euch den Gedanken für das nächste Jahr auf. Es war echt eine Mordsgaudie und die verpackten Eier könnten auch zum Fenster rausgeworfen werden. 

Zu Ostern kann man hier in den Läden Plastikeier in allen möglichen Farben kaufen. Die Größe ist ungefähr so wie die echten Eier oder doppelt, vierfach oder achtfach so groß. Geöffnet werden die Eier wie Überraschungseier. Also  zwei Hälften zum zusammenstecken. Mir war ja bis kurz vor Ostern nicht soooo gaaanz klar, was die damit machen. Aber wir lernten dazu. Hier heißt es nicht Ostereier suchen, sondern Easter Egg Hunt (Ostereierjagen). Auch das war mir erst so richtig klar nach dem ersten von Philipp und Stephan mitgemachten Easter Egg Hunt.

Also: hier in unserem Wohngebiet wurde ein Easter Egg Hunt veranstaltet. Bei Beteiligung gegen 6 Dollar und vorheriger Anmeldung der Kinder. Dann wurden auf den festgelegten Wiesen und bei jeweils festgelegter Altersstruktur, die Plastikeier verstreut. Nach Ready, Set, Go durften die Kids losdüsen und je 6 oder 8 Eier einsammeln. Wie nicht anders zu erwarten, haben meinen Kindern die darin befindlichen Süßigkeiten nicht zugesagt, aber sie hatten ihren Spaß. Der Osterhase kam auch und es wurden Bilder mit den Kindern auf dem Schoß vom Osterhasen gemacht. Nur Philipp und Stephan wollten nicht, denn "der ist ja gar nicht echt, der hat ja einen Reisverschluß vorne!"  

Nun, um auch alles mal mitgemacht zu haben, bin ich mit Philipp dann eine Stunde später noch zum Easter Egg Hunt in den Tom Sawyer State Park gefahren. Der Tipp kam von einer anderen deutschen Familie. Stephan konnte leider nicht mit, da er zur selben Zeit ein Fussballspiel hatte. Wir beiden also hin und zum ersten mal haben wir den Parkplatz gerammelt voll erlebt. Massen waren da und wir mitten drin.

Also wir halt der Masse nach, die in den hinteren Teil strebte und sich um einen riesiges eingezäuntes Gelände gestellt hat. Wir wussten ja gar nicht was uns erwartete und haben halt einfach gewartet. Nach einiger Zeit, habe ich dann doch mal nachgefragt, und die Antwort lautete "hier kommt der Osterhase an" .  Gut, wir haben weiter gewartet. Ich dachte dann, da lassen sie vielleicht ein paar echte Hasen springen zum Vergnügen der Kinder, da wir ja um diese Einzäunung herum standen. Weit gefehlt. Schau ist alles! Plötzlich ein riesen Lärm und ein Hubschrauber kam angeflogen, senkte sich herunter und der "Osterhase" stieg aus. Philipps erster Kommentar "der hat auch einen Reissverschluß!"  Der Osterhase lief winkend durch die Gegend - Ende Schau erster Teil. 

Wir gingen dann wieder in den vorderen Parkteil zum eigentlichen Easter Egg Hunt. Da erfuhr ich dann , dass das erst in 1,5 Stunden anfing. So haben wir uns in eine Schlange eines Glücksrades angestellt und Philipp hat nach 45 min. Wartezeit doch immerhin einen Radiergummi ergattert. Dann  gingen wir langsam zum abgesteckten Teil 5 - 7 Jahre. Es gab auch noch 3-4, unter 2 und 8-12 Jahre. Alles riesige Flächen.  

Da es den Tag vorher ziemlich geregnet hatte, gab es auch zahlreiche Pfützen auf der Wiese, vor denen ich Philipp im Vorfeld warnte. Für Philipp Altersgruppe war der Start auf 13.10 Uhr festgelegt und wir hatten noch 25 min. zu warten. Die Kinder die hinzukamen wurden immer mehr und mir wurde immer banger. Ich sagte dann zu Philipp, dass er bitte nicht traurig sein soll, wenn er nichts bekommt, den morgen kommt ja sicher zu uns in den Garten der Osterhase. Na blöde Idee von einem Erwachsenen, wenn man so viele Eier auf der Wiese herumliegen sieht. Also neue Idee: wenn du keines erwischt, fahren wir von hier aus zum Kroger (Lebensmittelgeschäft) und du darfst was für dich und Stephan heraus suchen. Bessere Idee!  

Wie es auch immer passiert ist, kurz vor ein Uhr gab es an der linken Seite von Philipps Altersgruppe einen kleinen Tumult und plötzlich rannten die ersten los. Was so viel bedeutete für alle anderen um das gleiche Feld: Nix wie los, wenn wir auch was haben wollen! Somit rannte auch Philipp los mit seinem Korb. Keine 5m weit gekommen stolperte er und viel hin. Tja, und der Regen hat nicht nur ein paar Pfützen hinterlassen sondern eigentlich stand die ganze Wiese unter Wasser. Wir haben es nur vorher nicht gesehen. Philipp war also klatschnass und etwas matschig. Er wollte keinen Meter mehr laufen, hatte ein Plastikei in der Hand und bekämpfte die Tränen mit den Worten "Mama, ich will zum Kroger!"  
Es gab bereits nach Minuten einige weinende Kinder, denen es genauso erging wie Philipp, aber es gab auch Kinder, die mit schätzungsweise 15 bis 25 Eiern in ihren Plastiktüten zurückkamen. Philipp meinte nur: "Hierher will ich nimmer zum Ostereier holen!" 

Wir hatten natürlich unser traditionelles Ostereiersuchen am Sonntag morgen und die Welt war wieder in Ordnung. Und schon deshalb, weil sich Philipp und Stephan ja nicht klar waren, ob der deutsche Osterhase wusste, dass sie in Amerika sind. Aber (der Text wird ja schließlich auch von Kindern gelesen!!!) natürlich wusste der Osterhase das und hatte sogar etwas deutsche Schokolade gebracht! Ostern war gerettet!!!! 

Als am Ostersonntagnachmittag die Nachbarskinder Jakob und Chelsey kamen und unsere beiden zu ihrem privaten Easter Egg Hunt einluden, lehnten unsere beiden dankbar ab und ich musste sie zwingen der Freundlichkeit wegen wenigstens hinüber zu gehen, da die beiden freiwillig teilten. Also, für unsere ist klar: Eier suchen JA, jagen NEIN!



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Stand: 28. Juni 2010